Deutschland – April 2026

Ein Land ohne Zukunft

Deutschland beklagt hohe Energiekosten und seit dem russischen Einmarsch in der Ukraine scheint die Welt Kopf zu stehen. Das Volk spaltet sich, und eine der neuen Grenzen zieht sich oft unbemerkt auch zwischen den Generationen.

Auch wenn allabendlich die Unterhaltungsmedien es deutlich aufzeigen und die Zuschauer sich darüber amüsieren, nehmen die Wenigsten wahr, was da gezeigt wird.

Junge Menschen fallen zu häufig durch die Führerscheinprüfung.

Die politische Antwort? Die Prüfung vereinfachen!
Und im abendlichen Fernsehen sieht man Fahranfänger, die kurz nach bestandener Prüfung ohne Licht auf der Autobahn unterwegs sind – bis die Polizei sie stoppt. Das Problem? Sie fanden den Lichtschalter nicht. Selbst ChatGPT konnte ihnen nicht helfen, sagen sie.

Dies alles hat ein Fundament worauf es aufbaut. Und als Vertreter der Generation, die noch nichts hatte, also eine der letzten Jahrgänge die noch weis was Balsaholz ist und was man mit Spannlack macht, die Musik aus dem Radio auf Kassetten aufnahm, die noch Röhren beim Aufwärmen zu sahen und der Gameboy der Kindheit im besten Fall ein kleines Gerätchen war, in dem ein mit Autos oder Meteoriten bedruckter Kunststoffstreifen vor Glühbirnchen vorbei gezogen wurden, die hell aufblitzen, wenn man den „Zeiger“ der das Fahrzeug hielt, nicht schnell genug weg bewegte.
Wir hatten nichts, wir wussten wenig und wenn wir etwas wissen wollten, dann mussten wir uns darum kümmern. Der Gang zur nächsten Bibliothek war dabei normal, die Fernausleihe eine Hassliebe, ebenso wie die Schutzgebühr für die Katalogbestellung beim Hersteller in Briefmarken, von denen man gerne was gekauft hätte. Also dann ab zum Fachhändler, der das aus dem Katalog ausgewählte dann auch bestellen konnte. Es waren jedes mal 30 Kilometer per Zug bis zu ihm und mit viel Glück und dem dafür lang Erspartem hatte man Monate später den ersehnten Baukasten in den Händen. Für den Zusammenbau nahm man sich als ungeduldiger Junge wenig Zeit und dann, beim ersten Flugversuch war die Bruchlandung nach kurzem Flug nicht nur ein Unglück, sondern ein Drama, denn zuhause bekam man in der Regel wenig Trost, sondern noch Vorhaltungen, um es gemässigt auszudrücken.

In einer Welt die zumindest seit der Industrialisierung stark an Komplexität zunahm, sind wir in vielen die letzte Generation gewesen, die in einer Umgebung aufgewachsen ist, die noch überschaubar und zum Teil beherrschbar war.
Vor 100 Jahren war es noch selbstverständlich, das eigene Leben mit den dafür benötigten Tools zu beherrschen oder zu überblicken. Brauchte man ein Bett, baute es einem der Tischler im Dorf mit dem Holz der Säger gewachsem im nahegelegenem Wald, um das Metallerne kümmerten sich Schmied und Co, und ein großer Teil der Bevölkerung erzeugte das was auf den Tisch selbst.
Und wie eine Dampfmaschine funktioniert, das wussten in meiner Generation die meisten, denn es werklte nicht allzu selten eine Esbit getriebene Dampfmaschine in den Kinderzimmern. Richtig mit Feuer, so wie auch in den Puppenherden, auf denen wirklich gekocht werden konnte.

Die letzten Generationen sind dagegen in eine Welt hingewachsen, die sie nutzen, aber nicht beherrschen und durchblicken. Playmobilwelt, alles geht, nichts muss. Der durchschnittliche Jugendliche nutzt das Internet, das Endgerät, doch weis er wie ein Prozessor funktioniert, wie das Zusammenspiel der Daten und der Hardware so grundsätzlich ist? Versteht er binäre Operationen, die uns für die Computer mal mit ein paar rot leuchtenden LEDs angefangen als Ausgabeeinheit hat, -zumindest im Hinterkopf bewusst ist? Braucht man das? Nein, aber es bewirkt eine grundlegenden anderen Umgang mit den Dingen, wenn man Einblick in sie hat und sie eben auch strukturell überblickt.

Es schafft auch eine Vertrautheit mit Technik die auch Sicherheit im Umgang damit bringt.

Wir kannten jedoch keine Sicherheit im heutigen Sinn, keinen Gehörschutz, keine Fallschutz, keine Knieschoner und auch keine Skateboards, sondern wenn, dann hatten wir umgebaute Rollschuhe, diese längenverstellbaren normal zum Anschnallen an Schuhe, genommen und ein Holzbrettchen dazwischen geschraubt, fertig war das Skateboard. Und damit ging es die Asphaltstraße runter, ohne Helm natürlich, dafür mit blutenden Ellenbogen und Knie bei der Heimkehr. Wir hatten keine Mountainbikes, dafür konnten wir mit dem Klapprad Gelände fahren, zumindest solange bis es zusammenklappte, was den nächsten Ärger einbrachte. Und nein, das sind keine Einblicke in die schlimmen Geschichten, sondern das war der normale, alltägliche Nachmittag und ob im Wald, auf den Bäumen, auf Baustellen, Abwasserkanälen oder hohlen Autobahnbrücken und Höhlen, jeden Tag gab es dies oder das und auch mal verbrannte Teppichböden, weil man mit dem Legotrafo dünnen Kupferlitze schön glühend machen konnte oder das erste Lötzinn von den Schlachtgeräten tropfte oder man im Keller eine gefundenen scharfe Patrone aufsägte mit den explosiven Folgen, und das am 9. Kindergeburtstag.

Unsere Kinder wurden die Generation, die mit Handy und SMS aufgewachsen ist. Und war das oft ein Kampf. Es ist heute die Generation die ihre Kinder im Kinderwagen schiebt, das Smartphone fest im Griff und der Nachwuchs oft schon mit eigenen Tablet, fleißig am Wischen und lange noch keine 3 Jahre alt.

Schauen wir in die 1960iger und 70iger Jahre, wo der Fortschritt seinen Lauf beschleunigte, dank Miniaturisierung und Verlagerung der Produktion ins Ausland und die aufkommende asiatischer, vor allem Japanischer Konkurrenz mit ihren Billigprodukten, aus denen längst angesehen Marken wurden.

Ingenieure entwickelten nicht nur technische Klärwerke und Atomkraftanlagen, sondern es wurde auch gebaut und praktiziert. Das Neuste vom Neusten, das Beste vom Besten, Weltstandard der Oberklasse, das war Deutschland, das waren die Entwicklungen von denen die deutsche Industrie oft noch bis heute von zehrt. Also von dem westlichen Teil des Landes, das muss dazu gesagt werden, der Ostteil hat eine andere Geschichte, die auch durchaus spannend ist.

Es wurde optimiert, es wurde verbessert und dann in den 1990igern war ein Höhepunkt in vielen erreicht. Wir hatten alles, Mikrocomputer waren bezahlbar, auch für den schmalen Geldbeutel und leistungsstark. Man konnte nicht mehr nur Büroarbeit und Spiele damit bewältigen, sondern auch Grafik, Kommunikation, Ton und Videotechnik, alles ging und Netzwerke bildeten sich und wurden genutzt. Und man konnte zuhause selber digitale Musik auf CDs brennen, ganz ohne Rauschen und Kopierverluste.

Dann begann das mit der Sicherheit, also so richtig. Wo vorher nur Ellenbogen und Armschützer für die Inliner gefragt waren, war plötzlich die Welt vor dem Terror nicht mehr sicher. Das ganze Arsenal an Technik wurde auf die Sicherheit angesetzt. Überwacht, gespeichert, kontrolliert, eingeschränkt, verboten.
Sahs ich Anfang der 1990iger noch mit dem 10er Opinel ganz selbstverständlich im Flugzeug und verbrachte damit sogar Zeit im Cockpit zwischen den Piloten, einfach weil es ging und die Aussicht mich interessierte, darfst du heute keine Zahnpasta Tube mehr mitführen.

Und wir bauten weiter Klärwerke und Kraftwerke aus Beton, jetzt vor allem im Osten, den neuen Bundesländern. Wir rissen alte Braunkohlemeiler ein und betonierten Neue, wir bauen Klärwerke, ob sie wirtschaftlich sind oder nicht, der Bürger zahlt ja eh dafür und ist der Verband nur groß genug fällt einiges nicht so auf. Und Fördermittel gibts ja auch noch.

Nach den technischen Höchstleistungen des Landes ging es bis vor wenigen Jahren eigentlich nur noch darum, das sicher zu erwartende, jährlich wiederkehrenden Wachstum zu verwalten. Ein Land das gelernt hat zu verwalten und Aktivität zu simulieren, aber keine Innovationen bis zur globalen Marktführerschaft mehr brachte. Gestartet wurde mit vielen, von mp3 bis zur Erneuerbaren Energien. Also, bis auf die Ausnahmen, die wenige aber oft mächtige Leuchttürme, wie Zeiss oder Jenoptics zu nennen, die auch im Taiwankonflikt Spielfiguren sind. Menschen wie Wöhrl haben das bereits vor Jahrzehnten erkannt und die Meetingkultur in Unternehmen scharf kritisiert.

So haben wir heute eine leistungsverarmte Melange von gutverdienenden Ahnungslosen mit schlecht gestellten Ahnungslosen und vielen jungen Menschen die ebenso verunsichert und ahnungsarm dastehen, -und eigentlich am wenigsten dafür Verantwortung tragen. Auch wenn sie ihre eigene Ahnungslosigkeit so zum Teil durchaus berechtigt an die Eltern und das System abschieben, letztendlich liegt die wirkliche Verantwortung immer im Leben des Einzelnen. Lag sie immer, nur der Zwang den es zu meiner Zeit dazu gab, der ist reduziert. Man kann ja immer und alles googlen oder ChatGPT fragen oder n TubeVideo dazu kucken, und nutzt damit in der Regel externalisiertes und nicht selbst überprüfbares Wissen.

Und heute, 2026 rufen sie wieder nach den alten Kraftwerken und betonieren weiter Klärwerke wie sie es schon in den 1960igern getan haben, nur inzwischen mit Flüssiggastank auf dem Gelände, – für die Beheizung.

Und wir fühlen uns noch ganz da oben, wie in den vergangenen Jahrzehnten, machen die Augen zu vor den Entwicklungen des 21. Jahrhunderts und den Anforderungen an uns damit wir eine Zukunft haben.

Ja, diese Leuchttürme deutscher Bestleistungen gibt es bis heute, doch diese stehen oft einsam zwischen der Vielzahl an Unternehmen, deren Kernkompetenz mehr im billigen Einkauf in Fernost und dem teueren Verkauf im Land geworden ist und Exeltabellen zum Verwalten. Nur die Automobilwirtschaft hielt länger durch, auch wenn ihre besten Jahre mit der Jahrtausendwende zu Ende gingen. Danach wurde mit höchster Ingenieurskunst Technik des 19. Jahrhunderts überoptimiert und fehleranfällig, denn es musste ja auf die Kosten geachtet werden und die Aktionäre bedient werden und ja, die Politik hatte auch noch Ansprüche, aber da hatten sie ja guten Einfluss auf die Entscheidungen und verbargen tricktreich in theoretischen Fahrzyklen all die Sauerreien der Technik, nach deem Motto, ich will Spass, ich geb Gas.

Schauen wir jetzt mal auf diesen Zeitraum aus anderer Perspektive. China stand als Entwicklungsland lange noch nicht an der Schwelle hin zu einem Industrieland. Saudiarabien war reich und dreckig. In Riad, mitten in der Wüste gelegen wurden hunderttausende Liter entsalztes Meerwasser täglich in Pipelines durch die Wüste geleitet und versorgten die Stadt.
Das Abwasser, who cares?
Es floß einfach durch Rohre und Kanäle in die Wüste, zusammen mit Müll, Industrieabwässer und es bildeten sich dreckige, giftige Tümpel in der Wüste durch und am Rande der Stadt.

Noch vor 25 Jahren, also Anfang dieses Jahrtausends bot sich dieses Bild. Heute, 25 Jahre später sieht man nichts mehr davon. Wo einst giftige Industrieabwässer zwischen alten Autoreifen dahin floßen, ist es heute sauber und grün. Ganz ohne Beton, ganz ohne Flüssiggastanks. Ein System aus biologischen Klärstufen bewachsen und belebt von so allen Möglichem eingebettet in eine Wasserstruktur die dass Abwasser der Stadt langsam durchströmen und dabei all die Schadstoffe aus dem Wasser eliminieren bilden eine parkähnliche Landschaft und allerlei Leben darin. Kleine Seen mit Fischen werden gespeist und die Wüste wird durch die nun mögliche Sekundärnutzung des Wassers zur grünen Anbaufläche.

Und wir betonieren selbst in kleinsten Ortschaften weiter Anlagen wie vor 60 Jahren, auch wenn diese zigfach teuerer sind, als die besseren Alternativen.

Wir wollen keine Veränderung. Wir wollen tiefgekühlt den Zustand bewahren und weiter davon träumen ganz da oben zu sein mit prall gefüllten Kassen.

Dem ist jedoch nicht so, denn die Taschen sind nicht nur leer, sondern der Schuldenberg enorm. Und das was vermeintlich unsere Taschen füllt, sind, wenn wir mal ganz einfach und ehrlich sind, alles Schulden, die unsere Kinder teuer bezahlen müssen.
Aber der Zweckverbandschef schaut seine Zahlen an, rechnet neue Beiträge aus und alle Bürger zahlen halt etwas mehr, so dass das neue Betonklärwerk auch finanziert wird.

Man will nichts Neues probieren. Man will zur Arbeit gehen und dann wieder heim. Dafür bekommt man dann sein Geld, das gerade so oder etwas besser ausreicht um über die Runden uz kommen, Netflix, Spotify, den Handyvertrag und das Fitnessabo zu bezahlen.

Wer hat neue Ideen, wer schaut sich um wie es andere machen?

Wer brennt bei seiner Arbeit noch wirklich für die Sache, entwickelt neue Ansätze und Gedanken, recherchiert und überlegt, mit was er in 5 Jahren noch Geld verdienen kann und erledigt nicht nur die Dinge?

Eigentlich ist es aber dafür zu spät, denn die Welt spaltet sich auf. Nicht zwischen Ost und West, sondern zwischen Superreich und nicht. Und da nun KI-bewusste humanoide Multitalente in den Markt drängen, dämmert es immer mehr Menschen, dass das Leben in wenigen Jahren ein anderes sein wird.
Industriehallen werden menschenleer sein und in den Büros sind die KI- Assistenten und Systeme am Daten tauschen. Superreiche werden in ihren gesicherten und autarken Enklaven mit den exklusiven Forschern daran basteln ihre persönliche ewig existierende KI- Existenz im Weltall vorzubereiten und der Rest der Welt, kurz ausgedrückt, wird vor die Hunde gehen. Vermutlich kommt da eines nach dem anderen, erst ein wenig, dann immer mehr. Erst in einem Staat, dann in weiteren. Ansätze erkennen wir ja heute schon, nicht nur aus den USA. Wie ihnen die globale Zukunft auf den Planenten vollkommen egal ist, erleben wir bei ihren Technolgievorhaben oft allzu deutlich. Nachhaltigkeit, Ressourcensparsamkeit sind dabei kaum relevante Faktoren. Risiken ebensowenig. Kernreaktoren in der Umlaufbahn schließen ein, dass sie auf die Erde stürzen mit all den Folgen für biologisches Leben.

Nicht viele Länder haben heute das Potential dem zu entgehen. China wird weiter unbeirrt fortschreiten und vielleicht irgendwann das einzige wirkmächtige staatliche Gegengewicht in dem zukünftigen Spiel der Mächte der Superreichen-Konglomeraten sein.
Ob wir dabei sind, ja, das entscheiden wir auch aktuell. Und, ich sehe schwarz, also schwärzer als Schwarz. Weder bei den traditionellen politischen Kräfte lassen sich Anzeichen von Lösungskompetenz erkennen und die aufstreben Rechtsnationalen sind bei diesen Fragen nicht nur eine Lachnummer in Kompenzfragen, sondern der Brandbeschleuniger des Untergangs. Annähernd alle Forderungen der Partei zielen auf den schnellen Weg mit Abkürzungen hin zum Untergang der heute noch bestehenden und nutzbaren Kraft des Landes.
In der Wirtschaft schaut es kaum besser aus, wieder mit der Ausnahme der wirklich guten Spezialisten, die es weiterhin gibt. Die einst so mächtige Automobilwirtschaft hat den Umbau bewusst und vorsätzlich boykottiert und die Leistungskraft junger Hersteller völlig unterbewertet. So wie einst Nokia, als Apple das erste Smartphone auf den Markt brachte, von über 90% Marktanteil weltweit bis zum Verschwinden, ein kurzes Drama mit enormen Wertverlusten.

Und was nun?

Ja, es schaut düster aus, noch ganz ohne den wichtgen und unerlösslichen Ausblick auf das beginnende Artensterben, vermutlich dem Vorboten des sechsten Massenaussterbens und dem beschleunigt fortschreitendem Klimawandel, den wir weiter jährlich beschleuingen statt zu bremsen. Auch die geopolitischen Konfliktherde brennen alle heißer denn je, zumindest seit der letzten großen Entladung.
Alles nicht hilfreich.

Aber dennoch, wir könnten, wenn wir nur alle wollten. Wenn es ein wir geben würde, dann wären wir mächtig. Egal ob beim Spritpreis oder bei anderen Fragen der Zukunft. Wenn wir uns an ehrliche und überprüfbare Fakten orientieren und nutzen was wir schon längst können und könnten, dann wären wir schon den ersten großen Schritt hin zu einer besseren Zukunft gegangen. Und, wer losgeht findet auch einen Weg.

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