Sicherheit – Mit Sicherheit

Gedanken eines Architekten mit Background

Wir bauen Gebäude, Häuser und Hallen, Brücken und Infrastruktur über und unter der Erde. Wir planen mit Sicherheiten, wir kalkulieren Lastfälle und arbeiten mit Daten wie Schneelasten und Niederschlagsmengen. Wir schlagen gegenüber den gesetzlichen Vorgaben noch Reservefaktoren oben rauf. Baupraktische Vorgehen vergrößern die Werte darüber hinaus, denn gewisse Mindestgrößen um Geräte zu nutzen oder Beton zu verdichten machen es einfacher und billiger, als filigrane Ausführungen.

All das half nichts, an der Erft und den anderen Hochwassergebieten, wo die ungeheurere Gewalt von Wassermassen zeigte, dass all die Sicherheit keine ist, wenn es wirklich drauf ankommt.

Seit und mit Corona wird Sicherheit auch in der Bevölkerungen diskutiert, gerade bei Infektionsrisiken und Impfrisiken. 

Es wird abgewogen und entschieden. Daran lässt sich im Einzelfall immer kritikwürdiges finden, wie die teilende Diskussion im Land darüber zeigt.

Die Extremniederschläge gab es schon immer, aber sie werden häufiger und auch aufgrund der Seltenheit auch gefühlt stärker. Und wo das Wasser früher vielleicht ein paar Stege und die Mühlen in Mitleidenschaft gezogen hat, stehen heute Haus an Haus, Halle an Halle, Straßen ragen zum Teil über die Gewässer, überall Gebäude im Talgrund, in drainierten Feuchtwiesen liegen Gewerbegebiete, auf Flächen die einst der Wassergewalt Raum gaben, Ruhe zu finden.

Dass es derart heftig kommt ist auch dem lang bekannten Vorgehen zu verdanken, dass an den Oberläufen weiter begradigt, drainiert, ausgebaggert und es geht darum, dass vor allem anderen Wasser schnell abgeleitet wird, anstatt es zurück zu halten, versickern zu lassen und zu puffern, beisiesweise in mäandernden Bächen.

Wir müssen umplanen. Denn die Sicherheiten die wir im Baubereich teuer mit Ressourcen bezahlen, beschleunigen den Wandel des Klimas weiter. Jeder nicht verbaute Kubikmeter Beton ist Klimaschutz und so sind die Rufe nach mehr Kanälen, mehr Betonbauwerkern die noch stärker und materialintensiver gebaut werden, ein Fehlgriff im Arsenal um eine freundliche Zukunft zu gestalten.

Klimaschutz muss zu allererst als Ressourcenschutz gedacht werden, nicht neu, und nicht präsent in vielen Diskussionen. Denn dabei geht es nicht um Braunkohle und Öl, sondern ebenso um all die anderen Ressourcen, die wir vergeuden und vernichten, tagtäglich.

Es ist an der Zeit, nachdem ich weit mehr als mein halbes bisheriges Leben bereits viele Worte gehört, Konzepte gelesen, Gesetze verfolgt habe, dass wir anfangen, ernsthaft zu werden.

Wir brauchen einen klaren Rahmen, klare Grenzen und klare Handlungsanweisungen die der Maxime folgen, die Vergeudung und Vernichtung zu beenden. Suffizienz und Effizienz.

Nach Atomausstieg und dem Vorhaben zum baldigem Ende der Kohleverstromung nutzen wir bis heute bestehende Alternativen nicht, wir drehen sie aus dem Wind, wir regeln sie ab, weil es geht, nicht weil es gut oder sinnvoll ist. Wir müssen lernen, besonders für eine Übergangszeit toleranter zu sein und nicht zu erwarten, dass immer alles und das sofort verfügbar ist auch wenn es weiterhin reichlich geben wird. Wir müssen neue Wege denken, statt immer nur bestehende umbauen zu wollen. Statt das jetzige Stromsystem zu erhalten und es mit großen Akkus zu Puffern, muss zu allererst die Verbrauchsseite optimiert werden, besonders durch Anpassung der Industriestromverträge an die fluktuierenden Angebote.

Wir müssen in der Fläche aktiv werden, es darf keine Ausnahmen mehr geben. Feuchtwiesen und Bachläufe, Wälder und Weiden, ja alle Böden brauchen unsere Aufmerksamkeit und wir müssen den Erhalt und die echte Renaturierung als oberstes Planungsziel wahrnehmen, gesteuert mit dem Wissen, zu optimieren, denn wir haben viel auszugleichen, auch im Hinblick auf zukünftige Ernährung.

Anderenfalls werden wir es ausbaden. Es wird knallhart kommen und das häufiger. Die Prognosen die ich vor 15 Jahren für das Jahr 2050 und danach gehört habe, sind heute Realität, global und nun auch bei uns erlebbar. Ein Extermsommer nach dem anderen. 

Dabei sind wir 25 Jahre zu spät, jetzt hier im heute um zu handeln, dass es hilft.

25 Jahre, in dem wir als Menschheit und besonders als Deutsche unsere eigene Bilanz schön gerechnet haben und die Produktion nach Asien, besonders China verlagert haben, um nun mit dem erhobenen Finger zu zeigen, dass sie viel „Dreck“ machen.

25 Jahre in dem die Menschheit die selbe Menge fossile Rohstoffe verbrannt hat, wie in der gesamten Zeit davor.

25 Jahre, die es braucht, bis all diese Emissionen zu wirken beginnen.

Bitte jetzt mal einen Moment innehalten und überlegen, ob die individuelle Flugreise, das Shoppingerlebnis, und all das andere wirklich unverzichtbar ist, und Grund sein muss, all die Probleme zu verschärfen?

Brauchen wir die neuen, breiteren Brücken für noch mehr Verkehr oder brauchen wir heute eine Verkehrs- und Mobilitätswende, die aus aller Kraft ideologiebefreit angeschoben werden muss?

Müssen wir weiter aufgrund von Arbeitsplätzen und deren Sicherheit, alles Erdenkliche unternehmen oder erkennt auch die Autolobby, dass es einen neuen Weg braucht, weit mehr als nur eine Umstellung auf Elektroantriebe? Zu unser aller Sicherheit?

Wir haben alle nötigen Technologien um heute aktiv umzusteuern. Ja, rechtlich wird es nicht einfach, all die alten Zöpfe abzuschneiden, aber sollen wir warten, bis andere Ereignisse eintreten und ohne Diskussion für Veränderungen sorgen, so wie entlang der Bächlein die eine Schneise der Zerstörung brachen?

Meine Lieblingsscene aus der Katastrophenregion ist die des Bürgermeisters, der nun ohne Umweltverträglichkeitsprüfungen handelt, denn die Menschen vor Ort sind gezwungen worden, all das Leid zu ertragen und müssen nun handeln! 

Nein, es ist keine Fürsprache für eine Grüne Bundesregierung, denn keine vertretene Partei hat belastbare Konzepte für die kommenden Aufgaben. Sie vertreten Ideologien und bekämpfen andere.

Der Weg wird nur gemeinsam möglich sein, und dies ist in einer Demokratie eine besonders schwere Aufgabe, denn das parlamentarische System wirkt dem entgegen. Deshalb sollte die kommende Regierung eine sein, die die fähigsten Leute vereint, nicht die stärksten Parteien oder besten Populisten.

Wir brauchen starke Wirtschaftspolitiker die mit Visionen ein „Zero Waste“ Ziel verfolgen, die Branchen motivieren können, umzusteuern. Wir brauchen eine Sozialpolitik die alle einschließt, und eine Finanzpolitik die klar auf die starken Schultern zur Finanzierung setzt und Zukunftsbelastungen maßvoll vermeidet.

Wie schaffen wir da etwas Sicherheit? Zusammen?

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