Wasserverbrauch: 15.000 Liter Wasser für 1 Kilogramm Rindfleisch?

Wasserverbrauch Rindfleisch – und wie die Zahlen zustande kommen.

Wir müssen etwas in die Welt des Wassers eintauchen, um zu verstehen, dass Wasser grundsätzlich nicht verbraucht wird, sondern genutzt wird. Dabei kann es gut genutzt werden oder schlecht. Das eine belastet die Umwelt, das andere fördert sie.

Wasserhaushalt Erde:

31% des Regenwasser stammt global betrachtet von den „Grasslands“, also den durch Vieh nutzbaren Gebieten. Dies ist die größte Teilmenge von allem Wasser das verdunstet und das die Niederschläge bildet. Ackerland dagegen sorgt nur für 4% der notwendigen Verdunstung. (S.84 UNEP GEO Report 4)

Der Vergleich der Lebensmittel mit dem Begriff „virtuellen“ Wasser wurde Anfang der 1990er Jahre von Professor J.A. Allan erschaffen und als „in Produkten enthaltenes Wasser“ definiert. Das Wasser, das für den gesamten Erzeugungsprozess eines Agrar- oder Industrieprodukts benötigt wird, ist das in diesem Produkt virtuell enthaltene Wasser.

Wenn wir nun das dem Rindfleisch zugerechnete Wasser von rund 15.000 Litern pro Kilogramm ansehen, wie wir es als Angabe heute fast überall finden, angefangen von Schulbüchern bis zu Fachaufsätzen zum Thema und unzähligen redaktionellen Berichten, den Online-Rechnern zum Ökofussabdruck, liest man fast nirgends wie es zu diesem Ansatz kam.
Man betrachtet die Fläche die ein Tier, das Rind in unserem Fall, als Fläche benötigt um es zu ernähren.
Als „verbrauchtes“ Wasser wird dem Rind dabei die gesamte Regenmenge die im Schnitt auf dieser Fläche niedergeht, angerechnet. Ähnlich ist der Ansatz zum Flächenverbrauch gelagert.

Es wird dabei nicht berücksichtigt, dass der grösste Teil dieser Niederschläge jedoch weder dem Futter noch dem Tier zufließen sind. Dies scheint auch kaum jemanden zu kümmern und es wird munter mit realen Wasserverbräuchen von anderen Prozessen verglichen.

Von diesem Wasser das einem Rind und anteilig einem Kilogramm Fleisch zugerechnet werden, versickert und verdunstet der aller größte Teil direkt oder indirekt.

Der Regen geht nieder, dringt in den Erdboden ein, läuft oberflächlich ab und verdunstet. Er speist unser Grund- und Quellwasser. Auch die durch die Gräser aufgenommenen Wassermengen verdunsten grösstenteils. Die Pflanze nimmt durch die Wurzeln aus der Bodenfeuchte Wasser auf, erzeugt bei dessen Verdunstung über das Blattwerk Zuckerstoffe durch Fotosynthese.

All diese verdunsteten Niederschlagsmengen bilden neue Wolken und regnen wiederum ab oder kondensieren als Tau.
Zusammen ist diese Verdunstung der Weideflächen global für 31% der Niederschläge verantwortlich.

Im eigentlichen Futter, dem Gras, dem Rauhfutter ist wenig Wasser enthalten, im Heu kaum noch was. Dies ist das Futter, das überwiegend (über 90% in Deutschland) verfüttert wird, und für dessen Nutzung die Kuh optimiert ist. Kraftfutter als ergänzende Teilration ist je nach Art wichtig, macht aber relativ nur einen kleinen Teil aus. Dieses sollte ausschließlich von Ernterückständen (Ausputzgetreide), Zwischenfruchtanbau oder Resten derNahrungsmittelherstellung bestehen, wenn es denn überhaupt zum Einsatz kommt.

Es sind nicht im entferntesten die Wassermengen die ein Rind trinkt oder durch die Nahrung zu sich nimmt, die ihm angerechnet werden. Ein Mastrind nimmt bei 5°C Durchschnittstemperatur zwischen 14 – 34 Liter pro Tag zu sich, eine Milchkuh zwischen 43- 96 Liter bei Hochleistungstieren mit 45 Litern Milchleistung täglich (Hauptsächlich besteht Milch aus Wasser). Bei höheren Temperaturen nimmt der Wasserbedarf zu. Bei Hochleistungsmichvieh bis zu 132 Liter bei 28°C.


Dies macht beim Mastrind also im Jahr weniger Wasserverbrauch aus, als ihm pro Kilogramm Fleisch angerechnet werden!

34 Liter x 365 Tage = 12410 Liter / Jahr

In Deutschlands Intensivmastbetrieben leben Rinder 14-16 Monate. Ihr gesamter Wassserverbrauch durch die Fleischerzeugung ohne die weitere Verarbeitung ist also in der Größenordnung von 15.000 bis 20.000 Litern pro Tier und ncht pro Kilogramm wie es dem Fleisch angerechnet werden!

Wir dürfen dabei aber nicht ausser Acht lassen, das Wasser nicht verbraucht wird. Jeder Liter Milch der getrunken wird, kann einen Liter anderes Getränk oder Leitungswasser ersetzen. Jeder Liter Wasser den die Kuh als Urin ausscheidet, ist mit hochwertigen Düngestoffen angereichertes Wasser, das richtig genutzt die wertvollste Nährstoffquelle für Äcker ist und auch dieses enthaltene Wasser nirgends verloren geht, im Gegenteil, es das Wachstum erst bedingt!
So ist auch die hohe Biomassenproduktion der Wiesen durch die Beweidung oder Mahd ein positiver Faktor, denn dadurch wird viel zusätzliches CO2 aus der Luft gebunden gegenüber der natürlichen Vegetation. Diese positiver Faktor kann die Emissionen die das Rind bedingt, schon ausgleichen, wie sogar mancher Kritiker schreibt (Siehe unten“Zeit“).

Im Gegensatz nun zum Wasser das für Bewässerung für Äcker genutzt wird. Die Zahlen dazu sind verschwindend gering und bewegen sich regelmässig bei einigen Hundert Litern pro Kilogramm. Nun, dass der Vergleich hinkt wissen wir nun, aber werden sie von einem Kilogram auch so statt wie von 1kg Rindfleisch? Auch dort müssten wir genauer hinschauen. (Thema 1 Kalorie Fleisch braucht 7 Kalorien Pflanzen).

Oft wird dabei fossiles Grundwasser genutzt, das sogar unter dem Meer abgepumpt wird. Es ist Wasser das vor langer Zeit in langen Zeiträumen in tiefen Schichten gesammelt hat und nun an die Oberfläche zum Bewässern von Bio- und Intensivkulturen genutzt wird, oft unter einem Meer von Plastikfolie die langsam unter den UV Strahlen zu Mikroplastik wird. DAs Wasser wird den Pflanzenbau dabei sogar nur tröpfchenweise zugeführt um zu sparen, und so wird der Anbau auch berechnet. Ein Vergleich der kräftig hinkt. Dass dabei unwiederbringlich auch Grundwasserreserven versalzen und für immer verloren gehen, wird nicht berücksichtig.
Was dabei Stauwerke und Pumpwerke zur Bewässerung von Ackerflächen weltweit anrichten und angerichtet haben muss sicher nicht im einzelnen dargestellt werden, die größten Seen der Erde verschwinden, große Flüsse versiegen.
Die bewässerten Böden versalzen und werden auf Jahrzehnte geschädigt.

Thomas Bresson – Evaporation of the Aral Sea gemeinfrei

Gerade der Punkt Wasser zeigt, wie ungleich bewertet wird. Wenn man Rinder vernünftig hält, was im Übrigen auch in Deutschland gemacht wird, dann entstehen Biotope mit hoher Biodiversität. Ein lokales Beispiel zeigt (Hutelandschaft Rodachaue bei Straufhain), dass innerhalb von wenigen Jahren aus einer Agrarwiese im Überschwemmungsgebiet der Rodach ein Naturparadies wird. Heckrinder und Konikpferde leben ganzjährig auf der Weide, fressen was wächst, gliedern die Fläche und es entstand ein Pflanzen- und Vogelparadies mit über 140 brütenden Arten, darunter viele seltene oder vom aussterben bedrohte Arten. Die Vielfalt der Pflanzenwelt hat ebenso stark zugenommen. http://www.hutelandschaft-rodachaue.de/_inhalt/willkommen/willkommen

Auf der anderen Seite, eine Produktionsweise die auch im biologischen Anbau die Natur schädigt, fossile Ressourcen benötigt und unter hohen Aufwand an Produktionsmitteln vegane Produkte schafft, das um die halbe Welt transportiert wird, gekühlt wird und oft ruinierte Böden hinterlässt und kaum ganzjährig ohne großen Aufwand verfügbar sind, lokal sowieso nicht.

Meine Bewertung und Einordnung im Gesamtkontext ist somit recht klar:

Die kritischen Aussagen rund um die Tierhaltung beziehen sich berechtigterweise auf eine System Tierhaltung mit einer Haltungsform und Ernährungsweise von Tieren die so nicht tragbar ist. Besonders lokal in den Zentren der intensiven Tierhaltung entstehen daraus beträchtliche Umweltprobleme. Dies ist aber kein Problem der menschlichen Nutztierhaltung an sich, sondern der unerträglichen Haltungsform.
Für eine ganzheitliche Lösung unserer Zukunftsprobleme im Bereich Landwirtschaft, Klima und Ernährung sind Nutztiere besonders Wiederkäuer entscheidender Faktor diese positiv zu bewältigen.
Wir müssen ein Gesamtsystem aufstellen und einführen, das tiergerecht und gewinnbringend für Mensch und Umwelt die gute und wertvolle Ernährung langfristig sichert und auch unseren Kindern hochwertige bewirtschaftete Böden statt ruinierter Agrarflächen hinterlässt. Wir benötigen einen vielfältigen Umbau unserer bequem gewordenen, modernen Lebenswelt hin zu einen System das in Kreisläufen statt Einbahnstrassen funktioniert. Darin ist die Nutztierhaltung ein unverzichtbarer Bestandteil.

Beispiele zu den Vergleichen, die Sprachrohre der veganen Ideologie anführen:

Quelle im Bild (2) https://www.zeit.de/wirtschaft/2013-08/fleisch-konsum-ressourcen

Die Quellen bei Zeit kann jeder selber nachschlagen, wird aber nichts weiter finden. Dafür jedoch:

Letztendlich aber doch noch am Ende des Artikels etwas Differenzierung:

.. wenn man da nu noch die positive Bilanz des Dunges hinzuzieht, dann ist man schnell bei der guten Rinderhaltung.

„Die Warenvergleich.de-Redaktion hat für 28 Lebensmittel recherchiert, wie viel Wasser bei deren Herstellung verbraucht wird und kommt zu diesen Ergebnissen.

Das Lebensmittel mit dem höchsten Wasserverbrauch ist Kakao! Für ein Kilo Kakaobohnen müssen ganze 27.000 Liter Wasser aufgewendet werden.
Auch die Fleischherstellung benötigt viel Wasser: Rindfleisch schlägt mit 15.490 Litern, Schweinefleisch mit 4.730 Litern und Geflügel mit 4.000 Litern pro Kilo zu Buche.
Das wassersparendste Lebensmittel ist die Tomate mit “nur” 110 Litern Wasser pro Kilo – mehr als 250 mal weniger als bei Kakao!
Die zehn Lebensmittel mit dem geringsten Wasserverbrauch sind allesamt Gemüse- und Obstsorten: Karotten, Kartoffeln und grüner Salat sind mit je unter 250 Litern Wasser besonders sparsam.
Eine Einschränkung des Fleischkonsums reduziert den individuellen Wasser-Fußabdruck: Bereits ein fleischfreier Tag pro Woche spart genug Wasser, um 1,5 Jahre täglich warm duschen zu können!
“ (https://www.sonnenseite.com/de/umwelt/diese-lebensmittel-verbrauchen-am-meisten-wasser-in-der-herstellung.html)

Die Folgen von diesen „wassersparsamen“ Gemüseanbau werden hier beschrieben, und im Hinterkopf bleibt, wie Rinder die Umwelt positiv beeinflussen:

https://www.heise.de/tp/features/Europas-Obst-und-Gemueseparadies-geht-das-Wasser-aus-4452917.html?seite=all

„Wie Bauern in Spanien mit nachhaltigen Anbaumethoden und traditioneller Weidehaltung gegen die Folgen des Klimawandels ankämpfen

Spanische Gemüsebauern versorgen Europa das ganze Jahr über mit Melonen, Tomaten, Paprika und Gurken. In der Region Almeria stehen Gewächshäuser, soweit das Auge reicht: Das Plastikmeer umfasst eine Fläche von rund 350 Quadratkilometern – so groß wie 50.000 Fußballfelder. Ausländische Lohnsklaven schuften für Niedriglöhne und sind dabei schutzlos giftigen Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt. Nachts hausen sie in selbst gebauten Plastikplanen ohne Wasser und Strom.

Die modernen Ausbeutungsverhältnisse haben den spanischen Gemüsebauern ein schlechtes Image eingebracht. Immerhin kassieren spanische Landwirte Millionen Euro Fördermittel aus der EU. Dazu kommt ein weiteres Problem – der zunehmende Wassermangel. Mit 80 Prozent des Grundwassers werden die Gemüsekulturen bewässert.

150 bis 200 Millimeter Niederschlag im Jahr soll für den massenhaften Anbau von Melonen, Tomaten, Paprika und Gurken reichen. In der wüstenartigen Region werden die Dürreperioden immer länger. Es gibt keine Flüsse, klagt Paprika-Anbauer Manuel Garcia Quero in einem Interview mit der ARD. Regnet es nicht, können sich weder Boden noch Grundwasser erholen.

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