Das Hochwasser geht zurück…

Das Hochwasser geht langsam zurück und die entstandenen Schäden werden inzwischen auf rund acht Milliarden Euro beziffert. Damit übersteigt es die Schadenssumme des letzten Jahrhunderthochwassers 2002.

Und ebenso wie vor 11 Jahren wird wieder über die nötigen Vorsorgemaßnamen diskutiert und Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) meint: “Wir brauchen ein nationales Hochwasserschutzkonzept“. Andere sprechen von nun notwendiger wissenschaflticher Aufarbeitung.

Ja, beides brauchen wir. Jedoch muss es diesmal auch wirklich umgesetzt werden, denn gerade das was ich in Thüringen erlebe, zeigt, dass vielerorts das seit langer Zeit bekannte Wissen nicht nur nicht umgesetzt wird, sondern im Gegenteil das getan wird, was letztendlich zu den hohen Pegelständen führt. Gerade in den letzten Jahren wurden in Thüringen sogar Feuchtwiesen umgebrochen und zu Maisäckern mit entsprechend wenig Wasserrückhaltevermögen.

Hochwasser entsteht nicht nur deshalb, weil wir durch die Klimaveränderungen mehr Extremwetterereignisse haben, sondern auch, weil wir die Landschaft massiv verändern. Wie lange ist es her, dass wieder über Begradigung und Flussvertiefungen gesprochen wurde, die für die Schifffahrt so nötig wären, weil der grosse Containerfrachter bis weit ins Land fahren müssen?

Donauausbau, Elbvertiefung sind zwei Stichworte in der Diskussion.

Doch es geht nicht nur um die großen Flussläufe. Die großen Probleme werden jetzt zwar an den Unterläufen sichtbar, doch sie entstehen an den Oberläufen, den kleinen Bächen. Dort wird das Regenwasser der vielen Quadratkilometer gesammelt und den Flüssen zugeleitet.

Leider viel zu schnell.

Effizienter Hochwasserschutz fängt bei den Bächen an. Doch wie sehen diese heute aus? Allzuhäufig durchschneiden sie die Wiesen und Felder wie mit dem Lineal gezogen.

Ein Bachlauf in der natürlichen Form, mit Mäandern hat alleine auf der deutlich höheren Fließlänge nicht nur geringere Fließgeschwindigkeiten, sondern ein ebenso erhöhtes Wasser-Rückhaltevermögen. Der Uferbewuchs ist ein weiterer positiver Faktor.

Gibt es dort an den Bächen ausreichende Puffer für die Wassermassen und eine langsame Fließgeschwindigkeit, dann verteilt sich der Abfluss auf einen deutlich größeren Zeitraum mit der Folge, dass es an den großen Flüssen deutlich geringere Pegelstände zu vermelden gibt.

So sind zwar Deichbaumaßnahmen sicher heute nicht vermeidbar, dennoch muss das Hauptaugenmerk den Oberläufen gelten, denn dort hat vorbeugender Hochwasserschutz viele weitere postive Folgen. Eine Uferbepflanzung bereichert die ausgeräumte Landschaft und bietet der Tierwelt die notwendige Vielfalt. So ist eine Renaturierung der Bäche und Uferzonen eine wichtige Maßnahme, die im ganzen Land Vorrang haben sollte.

Quelle: http://www.dradio.de/aktuell/2141385/

Helfe den Betroffenen: http://hochwasser2013.de