AfD und die Veganer

Nach Jahrzehnten der Entwicklung zu einer immer egalitäreren Gesellschaft erscheint nun die Zeit der sozialer Distinktion angebrochen zu sein. Allerorts erlebe ich, wie man mit arroganter überheblicher Ignoranz übermäßig ausgestattet sich über vieles was als sicher und gesichert galt hinweg setzt. Jahrhunderte der humanistischen Aufklärung gehen in den wenigen Jahren des zweiten Jahrzehntes des neuen Jahrtausends den Bach runter. Gut gebildete und fähige Menschen evolutionieren zu zusammenhangignorierenden Faktenverdrehern, Lautsprechern und Besserwissern. Ein frostiger Hauch neuronaler Armseligkeit umweht die Gehirne und vereisen die synapischen Spalte.

Das Zeitalter der Vereinfachung, -der Simplifizierung- ist endgültig angebrochen. Was in den 1990igern mit der MP3 Komprimierung in der audiophilien Technik einzog, ist nun im Kopf angekommen. Wo einst Musikliebhaber auf präzise Wiedergabe setzen sind schrill scheppernde und klirrende Supersurround- Reduktionen Stand der Dinge. Wo man hinsieht kehrt diese Vereinfachung wieder. Wo man in den frühen 80igern noch Wissen, Fähigkeit und Erfahrung brauchte um Dinge zu tun, reicht heute ein Klick, eine Anweisung und irgendwer oder irgendwas kümmert sich darum, dass das Ding läuft. Persönlich habe ich dies im Januar 2018 erleben dürfen. Nach Jahren in denen ich mit Programmierung ausserhalb von Webanwendungen eigentlich gar nichts mehr praktisch zu tun hatte, klickte ich meine erste Android- Handyapp beim täglichen Milchkaffee zum Feierabend zusammen und hatte sie in rund 20 Minuten auf dem Tablett um über Bluetooth einem Arduino Instruktionen zu übermitteln.

Einfache Modelle, einfache Denkweisen, einfache Weltsicht mit dem eigenen Ego im Mittelpunkt gepaart mit oft ausdrucksintensivierter Methodik, ziehen all die Propheten von angeblich alternativen Wissen und Missionare der globalen Weltverschwörung über Chemtrails, Ernährung bis hin zu den politischen Bereichen durch die angeblich sozialen Medien und bekommen unverschämt übertriebene Aufmerksamkeit von dem meiner Meinung nach immer noch größeren Rest von leider oft leisen Menschen die schwindende humanistisch-aufklärerische Werte und Herangehensweisen bewahren wollen.

Wo ist der gesunde Menschenverstand geblieben? Wie kann man als fachlich kaum versierte Laie mit einem Handstreich die Arbeit und Ernsthaftigkeit von tausenden und Millionen von Stunden fachlich und überprüfbarer Methodik erlangtem Wissen wegwischen und frei nach Peter Bichsels „Ein Tisch ist ein Tisch“ sich sogar von der eigentlichen gemeinsamen Terminologie verabschieden?

Ich verstehe es nicht und ich könnte daran immer öfters verzweifeln. Unterhaltungen werden zu Streitgesprächen und man glaubt sich in Brechts Theaterstück „Leben des Galilei“ im Kampf gegen die Gelehrten des ptolemäischen Weltbildes wiederzufinden.

Da hilft es nichts, an die hier und jetzt erlebbare Realität zu erinnern. Da hilft es nichts, mit einfachsten Experimenten die mir bereits im 8.Klass-Physikunterricht zu langweilig waren, vorzuführen, dass annähernd jedes Wort des vom Gegenübers Behaupteten eigentlich nur „Quatsch“ ist.

Ich müsste mich nicht darüber aufregen und auch nicht diese Zeilen schreiben, wenn dieser „Irrsinn“, wie ich das jetzt mal nennen werde, sich nicht auch in wichtige Bereiche unserer Gesellschaft auswirkte.
Die politische Landschaft wird in diese Vereinfachung von den neurechten AfDlern getrieben, unterstützt von der bekannten, Klickraten und Verkaufszahlen geilen Medienlandschaft und der politischen Mitte die ebenso extremistisch in die angesprochenen Themenfelder springt.
Letztes Beispiel ist die Entscheidung der Essener Tafel für ihren Aufnahmestopp für Migranten. Sollte es nicht um Menschen gehen ohne in ihre Herkunft teilen? Wo wollen wir aufhören? Brauchen wir erst wieder Gettos und Konzentrationslager bis das große Aufwachen mit Entsetzen kommt?
Dabei haben wir wirkliche Probleme. Wo wir auch hinsehen, hatten wir doch bereits erkannt, dass unsere Art zu leben keine Dauerlösung sein kann und darf, denken wir auch nur einen Funken an die nachfolgenden Generationen und ihre Rechte.

Wir wissen, dass dauerhaft die fossile Energiegewinnung keine Lösung sein kann, wir wissen, dass die global nährstoffverfrachtende und ressorucenvernichtende Wirtschaftsweise weder für das Tierwohl noch für den Pflanzenbau dauerhaft machbar ist, ebenso wie wir wissen, dass Krieg und Leid zusammengehören, wie Waffen und der gewaltsame Tod, Flucht und Ungerechtigkeit. Sind nicht Millionen von Deutschen geflohen und fanden Schutz?

Es ist die Zeit, in der Ideologie über Vernunft siegt.

Eckhard Fuhr schrieb 2014 in seinem Artikel „Als Vegetarier wären wir keine Menschen geworden“ in der „Zeit“ abschließend:

Fleischekel ist heute ein Ausweis von Vornehmheit. So wie früher blasse Haut. Fleischverzicht gehört in unserer egalitären Gesellschaft zu den wenigen Mitteln sozialer Distinktion, die schamlos eingesetzt werden dürfen. Nur bei den Fleischverächtern gibt es noch den sozialen Modus des verächtlich auf alle anderen Hinabschauens. Es soll sogar vorkommen, dass deswegen der Weihnachtsfrieden nachhaltig gestört wird. Man sollte über der duftenden Weihnachtsgans die Gedanken schweifen lassen in die Tiefen unserer Geschichte. Und wer die Gans tranchiert, der soll sprechen: Esset das Fleisch, auf dass ihr klug werdet.“

Anstatt im Sinne der Aufklärung das Thema Ernährung zu beleuchten wurde es zum umsatzbestimmenden Hype rund um Veganprodukte. Plötzlich gibt es sogar 100% vegane Kartoffeln oder Weizenmehl. Ja seit ihr denn alle Irre geworden?

Nicht ganz alle. Aber die die es nicht sind, werden als minderwertig und denkunfähig abgeurteilt, denn, so wird eben, wie in der von Fuhr in seinem Artikel beschriebenen Art, ausgeführt: „sie belasten sich ja mit niederschwingenden tierischen Nahrung und können also selbst nichts dafür, dass sie es nicht verstehen, dass Vegan besser ist.“

Dabei leiden bereits schon Lachse in ihren norwegischen Zuchtfarmen unter den Mangel durch die zunehmende Zwangsvegetarisierung ihres Futters und der Gehalt von Omgeadrei-Fettsäuren sinkt beträchtlich.
Ja, allzuoft kommt dann am Ende doch noch, dass es ja langfristig nur vegan geht, wenn man seine Ernährung ganz bewusst gestaltet und die Mängel der rein veganen Ernährung mit Ergänzungsprodukten ausgleicht. Das sind dann die Leute die man eigentlich ehr beim Biobauern im Hofladen vermutet, die sich jetzt bewusst das Sortiment der vollchemischen und gentechnischen Ernährungsindustrie reinpfeifen. Da feiern sie mit ihren veganen Schnitzeln eine Grillparty zum Wohl der Tiere und schlucken die ganze Bandbreite der Lebensmittelchemiker damit die Pflanzenpressteile irgendwie nach Fleisch aussehen und schmecken während sie gegen Glyphosat auf unseren Äckern in die Schlacht ziehen.

Wo seit ihr da draussen, ihr die noch die guten alten Dinge kennt?

Wollen wir wirklich die letzte Vernunft von Board schmeißen?

Oder sollten wir nicht vor dem dritten Jahrzehnt dieses Jahrtausends endlich wirkliche Lösungen diskutieren? Soll nicht jeder so essen dürfen, wie er es für richtig hält? Müssen wir uns nicht eigentlich darum kümmern, dass Pflanzen und Fleisch so erzeugt werden, dass es nicht zu den absehbaren negativen Folgen kommt?

Wir müssen uns um den Erhalt der essentiellen Nährstoffe in der Landwirtschaft kümmern, damit eine Nahrungsmittelerzeugung auch zukünftig noch machbar ist. Wir müssen uns darum kümmern, dass der Anbau ohne die Vergiftung und Ausrottung von immer mehr Arten stattfindet. Wir brauchen Fleisch von Tieren die ein anständiges Leben hatten und artgerecht gesund ernährt werden. Und wir könnten es, jetzt und heute anfangen. Wir kennen Lösungsansätze, wir haben Ideen und mehr als genug Geld sie auszuprobieren.
Das scheint aber an den eingefrorenen Synapsen der „Bessermenschen“ zu scheitern,- und nicht wie von mir lange gedacht, an den reinen Wirtschaftsinteressen der Unternehmen.

#BTW17 – Demokratie – Ende einer Republik?

@Bernd Schreiner

OK, so weit sind wir noch nicht, aber wenn wir die letzten Jahre in der EU ansehen, dann stellen wir verscheidende Dinge™ fest. Da sind zum einen Länder und ihre Einwohner, denen der Willen anderer aufgezwungen wird. Griechenland ist da ein exemplarischer Leidträger der Troika wie er kaum besser ausdenkbar wäre. Gemeingüter werden zwangsprivatisiert, der Staat gezwungen seine Werte, –die über Generationen geschaffene Werte– zu verhökern. Spanien und die Taten in Katalonien wo mit äusserster Härte gegen einen massiven Mehrheitswillen vorgegangen wird, um eine Abspaltung der Region zu verhindern zeigt ebenso, dass Bürgerwille sich nicht im Alltag politischer Entscheidungen wieder findet. Doch auch in Deutschland, hier in Thüringen, musste die Grüne Basis der Fraktion die mit in der Regierung Ramelow ist, klarmachen, dass gegen den Willen der vielen Menschen in Thüringen eine Gebietsreform nicht zu machen sein wird.

Doch die Demokratie wird auch durch sich selbst gefährdet, denn wo die Lebensverhältnisse so eklatant und wachsend auseinander streben, wie in Teilen Deutschland es bereits Realität wird, ist zu befürchten, dass Wahlergebnisse für die extremistischen Parteien weiter wachsen. Bereits zur BTW17 hat in Südthüringen jeder Vierte AfD gewählt, und oft sind sie aus den Stand heraus stärkste oder zweitstärkste Kraft geworden. Ja, das hat natürlich zum Teil spezielle Gründe, wie die fehlgeleitete Flüchtlingspolitik, genauer die vollkommen dumme Kommunikation der Verantwortlichen zu diesem Thema, allem voran Horst Seehofer und seine Wadenbeissertruppe aus Bayern, die nun beginnt, ihn höchstpersönlich anzurichten.
Wer die Aufnahme von Flüchtenden und dauerhafte Einwanderung gleich setzt und nicht getrennt, die Folgen den Leuten erklärt, schürt Fremdenangst und -feindlichkeit die gerade dort, wo der persönliche Umgang mit den Flüchtenden fehlt, auf besonders fruchtbaren Boden trifft. War es Absicht, dass Flüchtlingen lieber zentral untergebracht werden, statt auch einzelne Familien in den vielen kleinen Orten Thüringens? Ich kenne Beispiele aus Bayern, wo 1-2 Flüchtlingsfamilien in Dörfern supergut aufgenommen wurden, sie in die Feste und Feiern einbezogen werden und die Kinder gerne miteinander spielen. Warum darf das im linken Thüringen so nicht sein? Aber zurück, denn es geht nicht um die falsche Flüchtlingspolitik, auch wenn diese hier als Ursache keinesfalls zu unterschätzen ist.

Wie soll zukünftig noch Demokratie funktionieren, wenn die große Mehrheit an Menschen in den Metropolregionen lebt, eine völlig andere Lebensrealität im täglichen Alltag umgibt, ja umfließt die von Dingen™ geprägt wird, die es im ländlichen Raum nie oder kaum gab und sich aktuell in vielen Orten zurück entwickelt? Wo es in den 1990igern noch einen Friseur, einen Elektroladen, einen Metzger und örtliches Lebensmittelgeschäft gab, ist bereits heute oft kein einziges Geschäft mehr zu finden.
Wo in den Städten U- und S-Bahnen und Busse im Minutentakt rund um die Uhr fahren, gibt es im dünnbesiedeltem Raum neben dem Schulbussverkehr oft kaum weitere ÖPNV-Verbindungen am Land.
Von Theater, Kino, Kneipenkultur will ich gar nicht anfangen, ebenso wenig von Museen, und den tausend anderen Möglichkeiten die gerade dem jungen Teil der Bevölkerung immer wichtiger werden. Das Leben wird aufwendiger am Land, teuerer und die Attraktivität unter dem Gesichtspunkt eines „modernden“ Lebenswandels sinkt teils rapide, gerade bei den jungen Bevölkerungsanteilen.

Dies soll kein weitere Jammerbeitrag zu den ländlichen Regionen werden, sondern aufzeigen, dass sich die Lebensrealtiäten auseinander entwickeln und Folgen für unsere Demokratie hat. Dies führt dazu, dass die städtischen Mehrheiten über die ländlichen Minderheiten bestimmen, ohne überhaupt die Verhältnisse dort einschätzen zu können. Selbiges beobachte ich übrigens parteiunabhängig bei den politisch Aktiven entlang der Autobahn A4, wo die meisten Thüringer Städte liegen. Es erinnert mich stark an die Richtlinie 2000/9/EG der EU, die Seilbahnverordnung, die auch Länder umsetzen müssen, wo es weder Seilbahnen noch Berge gibt, – sonst wird’s teuer, fast 800.000 tägliches Busgeld.

Wenn wir dabei die Bevölkerungsdichte ansehen und damit das Verhältnis von Einwohner zur bewohnten Fläche, bestimmen die Menschen mit hoher Bevölkerungsdichte über die in den ausgedünnten Regionen. Ebenso verhält es sich zum Migratenanteil, wie bereits angesprochen.
Schau ich mir nun die Wahlergebnisse der AfD an, sehe ich einen Zusammenhang. Je geringer die Einwohnerdichte, desto höher die Wahlergebnisse.
Und im konkreten Fall #btw17 macht sich Verbitterung unter den Wählern breit. Nach der Wahl dämmerte es den ersten AfD-Wählern: Wer die AfD stark gemacht hat, hat die Kanzlern Merkel im Amt bestätigt. Dabei waren es gerade die Protestwähler die Merkel nicht kritisch, sondern feindschaftlich gegenüber stand. Merkel ist im Osten ein Hassobjekt unter den Parteianhängern und auch vieler ehemaliger Nichtwähler.

Jahrelang wurde die Biotoppflege der Lobbyisten im politischen Raum kritisch hinterfragt, wo das gesamte Umfeld von Entscheidungsträgern beeinflusst, ja bestimmt wird. Es gilt, die Informationen und Denkweisen im Umfeld der Entscheidungsträger zu manipulieren, so dass die zu treffenden Entscheidungen der einflussnehmenden Lobby gefallen.

Dies entsteht nun zwischen Stadt und Land, und es gibt Handlungsbedarf. Auch hier bei uns gibt es Tendenzen sich abzuspalten. Von Thüringen, auf nach Bayern, oder gleich ein Bundesland Franken, von dem einige Franken ja schon länger träumen.

Müssen wir nicht aber unsere Demokratie anpassen? Müssen wir die Entscheidungen nicht näher an den Bürger heran rücken? Muss der berühmte Bürger nicht viel mehr in seinem direkten Lebensumfeld selbst bestimmen können, gerade wenn es für ihn und seinen Ort besser ist? Oder soll auch dort eine anonyme Masse entscheiden, Menschen die sich meist gar nicht für die Belange der Landbevölkerung interessieren? Wir brauchen ein starkes, vereinigtes Europa mit vereinheitlichten Steuer und Rechtssystemen, aber wir brauchen noch viel mehr die bürgernahe Entschiedungsebene für die konkreten Dinge des alltäglichen Lebens!
Entscheidungsrechte bedeutet Freiheit und Freiheit schafft Raum für Leben. Leben ist das was die ausblutenden Regionen wieder benötigen, und gerade in Thüringen sollte eine von den Linken geführte Landesregierung verstehen, dass dies für ganz Thüringen überlebenswichtig ist!

3. Oktober 2017 Bernd Schreiner

Die AfD, die Piraten und ich

In den letzten Tagen werde ich viel auf die neugegründete Alternative für Deutschland (AfD), angesprochen. Mir wird in diesem Zusammenhang häufig gesagt: „Die machen das richtig“, und „fordern das Richtige“.

Ich bin nicht verwundert, dies zu hören.

Vorweg, ich bin für Europa, die Europäische Union als Staatenbund. Ich erachte es als überragende Errungenschaft auf die ich nicht verzichten will, dass wir mit in unseren 27 Staaten friedlich zusammen leben und dies über viele Jahrzehnte inzwischen. Dies steht über allem.

27 Staaten leben seit Jahrzehnten friedlich zusammen. Für mich ist das eine überragen Errungenschaft. Und sie ist – wie die von Kriegen gezeichnete Geschichte zeigt – keine Selbstverständlichkeit.

Ich bin aber ebenso ein EU-Kritiker, denn bei diesem Staatenverbund läuft vieles verkehrt. Wir haben als Staaten auf Gestaltungsfreiheiten verzichtet und diese an die EU-Ebene abgetreten. Es wurde jedoch versäumt, den Verlust an nationaler demokratischer Mitbestimmung auf europäischer Ebene einen Ausgleich zu verschaffen.

Der europäische Rat, als Vertretung der Regierungen, hat kein Gegengewicht in der Europäische Kommission gefunden. Die Kommission selbst ist eine Vertretung für Handlanger der Regierungen und Lobbyisten, denen eine demokratische Legitimierung fehlt. Das demokratisch gewählte europäische Parlament ist gegenüber beiden zu machtlos. Angefüllt sind die Organe der EU mit einem „überbezahlten“ Mitarbeiterstab der hörig und zu oft von Lobbyisten beeinflusst die eigentliche Arbeit leistet.

Eines der größten Probleme stellen teilweise die Nationalen Regierungen. Sie versuchen auf Kosten der Gemeinschaft sich Vorteile zu verschaffen, ohne Rücksicht auf das Gesamtgebilde Europäische Union. Diese Politik haben uns an eine Grenze des Ertragbaren gebracht und den Nährboden für anti-europäiche Tendenzen in der Bevölkerung geschaffen.

Es ein Leichtes für eine anti-europische Partei Fuss zu fassen und die Unzufriedenheit auf einen einfachen Nenner zu reduzieren, wie die AfD in ihrem Programm schreibt:

Wir fordern eine geordnete Auflösung des Euro-Währungsgebietes. Deutschland braucht den Euro nicht. Anderen Ländern schadet der Euro.

Richtig ist: Wir haben eine sehr schwierige Zeit vor uns und Deutschland wird darin eine zentrale Rolle zuteil. Dabei geht es uns in Deutschland relativ gut.

Schauen wir kurz auf die Forderungen der AfD. Was passiert wenn Deutschland sich vom Euro abwendet?

Führen wir wieder eine nationale Währung ein, wird dies eine starke Währung sein. Das erwarten auch die Kritiker. Die Mähr vom schwachen Euro ist frei erfunden. Der Euro ist insgesamt gesehen eine harte Währung, vergleicht man ihn mit den anderen Währungen. alternativ: Vergleicht man den Euro mit anderen Währungen, stellt man schnell fest: Der Euro ist eine harte Währung.

Eine starke Deutsche Währung wird uns wirtschaftlichhart treffen. Deutschland ist schließlich eine Exportnation. 57% der deutschen Exporte gehen in die EU-Mitgliedstaaten, Frankreich steht dabei an vorderster Stelle. Unser Aussenhandelsüberschuss ist weiterhin hoch, womöglich zu hoch für eine harmonische Gemeinschaft.

Lohnstückkosten

Bild-Quelle: Wikimedia.org; http://www.boeckler.de/

Diese Exportleistung hält uns wirtschaftlich in Deutschland noch auf den Beinen. Die Binnenkonjunktur hingegen lahmt seit Jahren. Eröglicht wird dies durch die geringen Lohnstückkosten unserer Wirtschaft. Dies geht größtenteils auf Kosten der Arbeiter, denn das Lohnniveau ist seit Jahren nicht gestiegen. Hartz4, Lohndumping und Leiharbeit verschärfen die Situation zunehmend. Eine Stärkung der Binnenwirtschaft ist dringend notwendig.

Dies fordern Experten wie Gert Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) seit langem. Lohnsteigerungen, um den Inlandskonsum anzukurbeln und unsere Wirtschaft exportunabhängiger zu machen, sind unumgänglich.

Damit lässt sich leicht erahnen, wie einfach gestrickt die Antworten der AfD sind. Ohne Rücksicht auf die Folgen werden Forderungen aufgestellt, die sich einfach auf den Stammtischen im Land verbreiten lassen. Das Ergebnis ist ein rücksichtsloser Wahlkampf um Wähler zu gewinnen – die poltischen Folgen für Europa werden geflissentlich ignoriert.

Doch es geht weiter und wird kaum besser:

Wir fordern, dass die Kosten der so genannten Rettungspolitik nicht vom Steuerzahler getragen werden. Banken, Hedge-Fonds und private Großanleger sind die Nutznießer dieser Politik

Diese Forderung ist kaum besser. Richtig ist: Die berühmte Schere zwischen Arm und Reich ist in Deutschland weit aufgegangen. Die Folgen der rot-grünen Regierung unter Schröder wirken bis heute nach. Der Spitzensteuersatz wurde abgesenkt, und so die Leitungsfähigen in der Gesellschaft auf Kosten der geringen Einkommen hofiert. Wo einst der Spitzensteuersatz bei Spitzenverdienern zum Tragen kommt, betrifft er heute schon mittlere Einkommen. Dies ist eine faktische Entlastung der wirklich hohen Einkommen. Eine Steuerreform ist deswegen dringend angebracht. Arbeitseinkommen muss den Kapitaleinkünften gleich gestellt sein. Starke Schultern müssen mehr tragen als Schwache.

Doch zurück zu den Forderungen des AfD und der Rettungspolitik im Bereich der“ Finanzmarktprodukte“.

Leider sind die privaten Krankenversicherungen, die Rentenversicherung und natürlich die vielen anderen anderen „Geldprodukte“ von uns in diesen System der Finanzmarktprodukte zu finden. Deswegen würden bei einer Umsetzung der Forderung der AfD sehr schnell massive Probleme bereiten. Was passiert, wenn die Rentner monatelang drastische Rentenkürzungen hin nehmen müssen, beispielsweise bis zu 60% wie jetzt die Sparer in Zypern?

Ja, es sind die wenigen Familien die Milliarden in Deutschland an Privatvermögen besitzen und damit auch Macht ausüben, doch noch viel mehr Milliarden haben wir alle zusammen in unserer Rentenversicherung, etc. angelegt. So werden die „normalen Menschen“ in Deutschland die Folgen der vom AfD geforderten Maßnahmen zu spüren bekommen und letztendlich sind wir alle die Leidtragenden.

Diese undurchdachten Konsequenzen ziehen sich wie ein Roter Faden durch die programmatischen Forderungen. Vordergründig einfache und populistische Forderungen die aktuell gut ankommen, jedoch keine echten Lösungen darstellen.

Die eigentlichen Probleme müssen endlich angegangen werden

Das Demokratiedefizit in Europa muss beseitigt werden. Es muss ein Europa für die Bürger entstehen. Wir Bürger müssen Zugang zu allen Informationen staatlicher Entscheidungen bekommen, die berühmte Transparenz, die Grundvoraussetzung für eine Teilhabe am politischen Prozess ist.

Wir müssen dem europäischen Parlament mehr Rechte einräumen und nationalstaatliche Interessen zurück drängen.
Und wir müssen klar regeln, was die Europäischen Gemeinschaft zu regeln hat, und was nicht. Heute sind viel zu viele Entscheidung bürgerfern. Vieles könnte vor Ort, in unseren Gemeinden, im Kreis oder im Land entschieden werden. Wir wissen doch am besten, wie wir vor Ort unsere Probleme lösen. Ein EU-Beamter weiß das nicht.

Wir müssen endlich unsere Wirtschaftspolitik, ebenso wie die Sozial- und Finanzpolitik aufeinander abstimmen. Wir müssen uns im globalen Zusammenhang sehen und erkennen, dass aufstrebende Volkswirtschaften insbesondere in Asien in wenigen Jahren unseren in Deutschland noch vorhandenen Vorsprung aufgeholt haben und mit ihrer unglaublichen Potential die Märkte verändern werden in denen wir heute noch stark sind.

Ich will, dass wir in Europa ein Vorreiter für unsere Zukunft bleiben. Ich will dass auch meine Kinder eine hohen Lebensstandard geniesen können, ohne dies auf Kosten von anderen Menschen, Ländern und der Umwelt zu tun. Wir müssen technologische Innovationen voran bringen, um die Energiewende weg von den verbrauchenden Energieressourcen weltweit zu etablieren. Wir müssen einen anderen Umgang mit ausgedienten Produkten und eine Kreislaufwirtschaft schaffen und wir brauchen dazu starke Partner. Diese finden wir in der EU. Wir sind in der EU über 500 Millionen Menschen die friedlich vereint leben.

Ich bin Pirat weil ich Lösungen anstrebe, die echte Lösungen für unsere Zukunft sind. Auf die komplexen Probleme sind dies leider oft nicht die einfachen Antworten, die man in zwei Sätzen formulieren kann und sie die AfD vorgibt zu liefern.

Quelle Wahlprogramm AfD: https://www.alternativefuer.de/pdf/Wahlprogramm_der_Alternative_fuer_Deutschland.pdf