Wutausbruch oder nix Neues seit den Römern

Wutausbruch oder nix Neues seit den Römern

Es geht eine neue Wut durchs Land. Die Jungen sind wütend auf die Omas. Die Omas sind darüber nicht weniger aufgeregt und es fliegen die virtuellen Fetzen in den sozialen Netzwerken. Die Fronten der Greta Anhänger treffen auf die erfolgreich gespaltenen Gruppen. Jetzt also auch noch alt gegen Jung.

Schön springt ihr. Danke für nichts.

Kuckt denn wieder einmal niemand hin und zappelt ihr wie Marionetten an den Fäden der Populisten?

Ja, das Klima ist ein Thema und es bleibt es. Das ist gut und richtig. Falsch dagegen ist fast der komplette mediale Umgang damit, von allen, die ich so lese. Also fast, ein paar wirklich gute Stimmen gibt es, aber die sind selten im Mainstream hörbar.

Nun machen wir es uns mal wieder ganz einfach, so wie schon bei den 17 Tonnen CO2 für eine Teslabatterie, falls sich wer an meinen Beitrag dazu erinnert.

Also, es geht um die Klimagasexpostition und da ist das CO2 das Leitobjekt. Vor der ganzen Öl- und Kohleverbrennerei, also bevor der industrielle Pfad der gesellschaftlichen Entwicklung so grob ab dem Jahr 1750 losgetreten wurde, betrug der CO2 Anteil rund 278 ppm pro m3 in der Atmosphäre, alles global gemittelt, eben die Gesamtsicht.

Als ich meine relevanten Aktivitäten begann selbst zu kontrollieren waren wir bei 339 ppm pro m3, als meine Eltern in dieses Alter kamen, also die Generation die heute die Großeltern sind, vermutlich bei rund 310 ppm.

Heute sind wir bei 410 ppm angelangt. Von Beginn der industriellen Revolution bis heute stieg der Gehalt also um 132 ppm an. Nun schauen wir einmal, wie lange es gedauert hat, die letzte Hälfte des Anstieges zu emittieren. Das war dann 1984 soweit. Das letzte Viertel wurde seit 2005 emittiert, also seit dem die 1993iger Generation mit rund 12 Jahren selbst begannen aktiv zu werden.

Es hat also für die erste Hälfte der Emissionszunahme von 1750 bis 1984 gedauert, immerhin 234 Jahre, die zweite Hälfte emittierten wir in 35 Jahren. Schaut man diese Hälfte an, dann wurde das erste Viertel bis 2005 emittiert, also in 21 Jahren. Die restlichen 14 Jahren sind also wirklich radikal im Zuwachs und für diesen Teil sind im geringsten die Omas und Opas verantwortlich zu machen.

Es ist meine Generation und all die bis zu den jetzt protestierenden Jugendlichen und Schüler die gemeinsam diesen Lebensstil huldigen und damit die Umweltfolgen verantworten müssen!

Es ist schwach, über eine Generation zu hetzen von der heute kaum mehr etwas bekannt ist. Viele der Jüngeren erinnern sich ja nicht mal mehr an die deutsche Teilung, geschweige denn an die Berichte aus erster Hand aus den Weltkriegen und die Lebensumstände in den Kriegsfolgejahren, den Jahren in denen die Großeltern so richtig mit dem Wirtschaftsaufschwung aus dem Vollen schöpfen konnten. Selbst zu dieser Zeit des überschwänglichen Konsums emittierte ein Mensch im ganzen Leben kaum soviel CO2 wie ein junger Durchschnittsmensch heute in wenigen Jahren seines Heranwachsen.

Es ist ein Trauerspiel wie die gesellschaftlichen Gruppierungen gegeneinander aufgehetzt werden und jede sinnvolle Lösung schon vorab unter den Tisch der Populisten und Narzissten fällt. Die Wissenschaft tobt in ihren Nischen und die wenigen Querdenker mit Lösungen die echte Chancen bieten, die aber oft abseits der wirtschaftlich lukrativen Methoden angesiedelt sind, verlaufen sich längst, bevor sie den Fördermitteljungle erreichen.

Kaum jemand kann mit Gewissheit abschätzen, was in den kommenden 15 Jahren an Veränderungen auf uns einbrechen wird, doch die fundierten Prognosen sind derart drastisch, dass jedes weitere Verzögern von echten Lösungen sträfliche Unterlassung darstellt.
Echte Lösungen schaffen echte Reduzierungen. Echte Lösungen gehen an die Ursachen und müssen dabei auch die Lebensrealität der Menschen berücksichtigen.
Es muss sofort gehandelt werden. Das bisherige Dienstwagenprivileg muss ebenso fallen, wie unsinnige Großprojekte die Unmengen an stark klimabelastenden Baustoffen benötigen, wie sinnlose Betonkanäle in dünnbesiedelten Regionen. Die Stromabnahmeverträge der Industrie müssen sich an den Erzeugungskurven der erneuerbaren Energien orientieren. Alle staatlichen Subventionen für fossile Produkte und Industriebereiche müssen beendet werden, Ausnahmen darf es nur in sehr wenigen Bereichen geben, wie der Medizin und Pharmakologie.

Wir benötigen darüber hinaus Transparenz bezüglich den Klimaattributen von Waren und Dienstleistungen. Auch wird eine Budgetierung von Emissionen auch im Privaten das notwendige Reduzierungspotential dort bieten bei gleichzeitig maximal möglicher Freiheit des Einzelnen. Jeder kann entscheiden, ob er lieber mehrfach in Urlaub fliegt oder einen SUV für die täglichen Berufspendelfahrten nutzt oder seine Villa mit Schwimmbad mollig warm hält. Alles zusammen wird dann nicht möglich, oder eben recht teuer. Wer jedoch normal seinen Kleinwagen fährt, seine 3 Zimmer Wohnung beheizt und mit dem pauschalen Busangebot in Urlaub fährt, der hat sicher wenig Einschränkungen zu erwarten.

Natürlich müssen wir noch viel mehr tun, doch dazu an anderer Stelle mehr.

Bernd Schreiner

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