Herr Lesch, bitte…

Professor Harald Lesch war in Ilmenau und hat einen sehr guten Vortrag gehalten, doch leider wie aktuell bei vielen kompetenten Menschen werden Dinge™ vereinfacht dargestellt, überzeichnet und die wirklichen Alternativen oder Konsequenzen nicht benannt.

So auch in diesem Vortrag, bei dem auf die Elektromobilität zur Sprache kam. Im typisch etwas entsetztem Stil zeichnete Lesch vor der Großbilddarstellung der Lithiumfabrik das Wassermangelproblem einer Wüste, die er vorab prächtig als Trockengebiet darstellte. Ja, er hat soweit Recht, dass wir jetzt am Beginn einer neuen Mobilität auf die weiteren Umweltfolgen achten müssen und diese frühzeitig vermeiden sollten. Er hat Unrecht damit die E-Mobilität zu verurteilen, denn die bisherige Alternative ist nicht nur im Betrieb weit aus dreckiger, sondern besonders auch bei der Ressourcenbereitstellung eben der Erdölgewinnung. Eine Reportage aus Afrika zeigt wie wir Europäer dort agieren:

Dagegen erscheint der Wasserverlust wahrlich das keiner Übel, gerade da es ja nicht verschwindet nur weil es verdunstet. Aber ja, auch Wasserdampf ist klimawirksam in der Atmosphäre. Dies zeigt, dass wir immer weiter denken müssen und im Bereich der Mobilität kann es logisch betrachtet nur wenige wirkliche Wege geben, den Ressourceneinsatz insgesamt zu optimieren.
Dabei müssen die Lösungen eine freie Mobilität ermöglichen, denn niemand will ernsthaft bürgerliche Mobilität beschränken und damit bestimmen, wann man sich wo aufhält oder halten kann. Das Recht auf ein individuelles Fahrzeug muss bleiben, sei es ein eigenes oder eines das man benutzen kann, wenn man den Bedarf hat.
Wir müssen überdenken, was in den vergangenen Jahrzehnten passier ist: Öffentliche Schienenmobilität wurde seit d Ende der 1960igern im westlichen Teil des Landes abgebaut und Strassen ausgebaut. Unsere gesamte gebaute Umwelt, von der Wohnsiedlung bis zum Großstadtquartier wird von der automobilen Verkehrsplanung bestimmt. Unglaubliche Mengen an Flächen werden ruhenden Verkehr als Parkraum bereit gestellt, doch die Kinder haben nur kleine eingezäunte Bereiche zum spielen, Anwohner keine Freiräume vor ihrem Haus, sondern Parkplätzen im besten Fall mit dazwischen Stadtgrün, sprich Krüppelbäumen im versiegelten Stadtraum.

mdr
Link: https://www.mdr.de/mediathek/mdr-videos/c/video-238888.html Ist das die Mitwelt in der wir leben wollen? Sollte da nicht ein Grillplatz sein, eine Spielecke und ein Fussballfeld?
90% seines Lebens steht ein Fahrzeug. Ist es da nicht sinnvoll wenn sich 8-9 Leute ein Fahrzeug teilen, das dann auch wirklich bewegt wird? Muss es ein Auto sein oder ist nicht ein Kleintransporter für die Fahrt zum Baumarkt oder das E-Bike für den Weg zum Einkaufsbummel in die Innenstadt durch grüne Parks auf Fahrradstrassen nicht die bessere Vorstellung?

Weshalb bieten Kommunen nicht eine Vielfalt an Fahrzeugen an, von den bekannten ÖPNV mit Linienbussen bis hin zu dem vernetzten Mobilitätskonzept wo jeder das passende Fahrzeug wählen kann und dann zu beliebiger Zeit sich von A nach B bewegen kann?
Warum stehen keinen Elektrofahrräder an den frequenten Orten bereit, neben Carsharing-Plätzen und Strassenbahn- Haltestellen?
Elektrisch betrieben in den Städten an Lade-/Parksäulen ganz ohne Emissionen, mit dem Strom der Fassaden und Dach-PV-Anlagen?
Ja, die üblichen Ungenauigkeiten in der schnellen Argumentation war auch bei Herrn Lesch zu merken, Lithium gibts recht viel, und das geschilderte Problem bezieht sich da mehr auf Kathoden der Zellen, wo Kobalt noch zur Anwendung kommt.

So muss jetzt, und der Zeitpunkt ist sehr geeignet über die gesamte Mobilität und das Transportaufkommen nachgedacht werden, wir benötigen eine Bahnreform ebenso wie vollkommen neu gedachte individuelle Mobilität. Wir brauchen gleichrangige Verkehrsteilnehmer die auch in den Metropolen nebeneinander bestehen können. Alles nur nach dem Auto ausrichten, ist spätestens ab diesem Jahr einfach nicht mehr haltbar. Die Antwort auf den Dieselskandal kann nicht sein, ab jetzt nur Elektrisch und sonst alles beim Alten lassen, die Antwort muss sein: Jetzt einen neuen Weg in die Zukunft gehen, effiziente und genutzte Fahrzeuge in einem Mobilitätskonzept, das den Bedarfen und Bedürfnissen der Menschen entspricht, vom Pendler bis zum Freizeitspass.

Individueller öffentlicher Personennahverkehr (iÖPNV), jeder fährt wann und mit was er will.

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