Anschläge von Paris

Ich liebe Frankreich. Seit meiner Zeit als Austauschschüler ist das so.

Ich bin erschüttert.
Schwer erschüttert.

Kaum sind nach den schrecklichen und verurteilungswürdigen Taten einige Stunden vergangen wird von Krieg gesprochen.

Krieg.

Dieses entsetzliche Wort das noch entsetzlichere Taten beschreibt. Da wird getötet, nicht mit einem chirurgischen Präzisionseingriff, sondern mit Verwundung, Schmerz, Leid und Kinder ohne Eltern und Gliedmaßen.

Jetzt nach dem Wochenbeginn verschärft sich die Tonlage. Der Papst fabulierte was von Dritten Weltkrieg um nur kurz die Spitze der Eisberges der Kriegsbeflüsterer zu erwähnen.

Paris, da wurde koordiniert von einer Gruppe ein perverses Ziel verfolgt, nämlich unsere Gesellschaft zu erschüttern und wir – wir lassen das einfach mal zu.

Im vorratsdatenspeichernden Frankreich ist einer der toten Attentäter der in Frankreich geborene polizeibekannte Omar Ismaïl Mostefaï und ein anderer Samy Amimour wollte schon nach Jemen und war wegen der Gründung einer terroristischen Vereinigung unter Verdacht. „Seither stand Amimour unter richterlicher Überwachung. Als er sich im Herbst 2013 der Überwachung entzog, lief ein internationaler Haftbefehl gegen ihn.“ Der mutmaßliche Anführer Abdelhamid Abaaoud, ein IS-Anhänger aus Belgien ist sicherlich auch nicht ganz unbekannt bei den entsprechenden Stellen.

Update: Erste Ermittlungen zeigen: Die Täter von Paris handelten als Teil eines Netzwerkes, gesteuert aus Syrien und Belgien. Und viele waren den Sicherheitsbehörden gut bekannt. http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-11/paris-attentate-taeter

Das sind eigentlich Hinweise aus einem relevanten Bereich die im Rahmen der bekanntgewordenen Totalüberwachung aus dem weltweiten Datenwust die von Handyüberwachung, Zahlungsverkehr, Gesichtserkennung über die Internetaktivtäten sicherlich ein ganzes Netz von kleinen roten Warnpunkten ausspucken müssten.

OK, es gibt da grundsätzlich zwei Möglichkeiten, erstens, die roten Warnlampen gingen an oder zweitens, sie blieben dunkel. Da ich kein VTler bin, sag ich, sie blieben dunkel.

Es ist ja auch mehr als denkbar, dass 20-30-jährige die sich etwas für die Sache interessieren wissen wie sie der Entdeckung durch Überwachung sinnvoll entkommen. Von Methoden wie wenige Datenspuren legen, über das Verwischen dieser, den Wechsel und Tausch von Identitäten, SIM Karten und Co, über das gezielte Überfluten mit Informationen die verschleiern, über all die technischen Möglichkeiten wie Verschlüsselungstechnologien, – sich in Echtzeit detailliert zu organisieren ist es technisch nicht wirklich das Problem mit dem entsprechenden Aufwand die Lämpcheninterpretierer zu täuschen.

All der Überwachungsirrsinn und seine besonderen Blüten nach dem Einsturz der World Trade Centers 9/11 helfen rein gar nichts um konkrete und bewusst organisierten Terror zu verhindern. Im Gegenteil, es wird den Menschen eine Scheinsicherheit vorgespiegelt die es nicht gibt. Es werden Fakten ausgeblendet – weils so einfach ist– bis es passiert. Dann jedoch ist das Entsetzen um so größer. Sollten wir nicht besser mit der altbewährten Polizeifandungsmethoden arbeiten anstatt mit Rasterfandung auf Vorrat und unglaublich viel Datenmüll? Die Polizei muss natürlich bei Ermittlungen all die moderen Ermittlungsmethoden auch im Bereich der IT bekommen, soweit sie sich im rechtlichen Rahmen bewegen, jedoch immer für den konkreten Einzelfall. Was helfen alle Metadaten von Telefonaten wenn keiner die Stecknadel im Heuhaufen findet? Dann lieber einen findigen Kommissar mit Kompetenz und Rechtsbewustsein der beobachtet und ermittelt.

So wird also letztendlich die Überwachung „nur“ zur Konditionierung der Nullachtfünfzehn Menschen führen, die am nächsten Morgen glücklich in ihrem Überwachungsparadies in dem niemand etwas zu verbergen hat aufwachen und sich eines Tages dennoch wundern, warum unzufrieden junge Erwachsene die aufgewiegelt von den Missständen dieser Welt einen ideologischen Wahnsinn folgen und unschuldige Menschen wegbomben?!

Solange Deutschland Waffen, Panzer und Kleinwaffen verkauft –wie zuletzt erst in den Tagen vor den Anschlägen geschehen– anstatt sich darum zu kümmern, dass die Menschen in ihrer Heimat endlich anständige und lebenswerte Verhältnisse vorfinden, sind derartige Terrorausbrüche nicht zu verhindern.
Solange wir im neofeudalistischen Konsumrausch mit dem neusten Smartphone in der Hand weiter die Heimatländer ausbeuten und unterdrücken werden es Hassprediger leicht haben ihre verachtende Saat zu steuen.

Bernd Schreiner
16.11.2015

PS: Auch im Web wird Krieg erklärt:
Hacker-Gruppe „Anonymous“ erklärt ISIS den Krieg – deutsche Übersetzung

09.11.2015, 16:18 Uhr:

„Die Bundesregierung hat mehrere Kleinwaffen-Exporte in den Nahen Osten genehmigt. So gab der geheim tagende Bundessicherheitsrat jetzt unter anderem grünes Licht für den Verkauf von 600 tragbaren Panzerabwehrwaffen nach Jordanien, 1600 Sturmgewehren nach Oman, 500 Maschinenpistolen in die Vereinigten Arabischen Emirate sowie 180 militärische Lastwagen von Daimler nach Algerien. Dies geht aus einem Schreiben von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel an den Bundestag hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.“ http://www.stern.de/panorama/bundessicherheitsrat-genehmigt-kleinwaffen-exporte-nach-nahost-6545540.html?

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